Klaus Dörner: "Leben und Sterben, wo ich hingehöre"

Titelbild Leben und sterbenEin interessantes Buch mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für ein neues Hilfesystem

Zur Infrastruktur gehören auch die professionell geführten Einrichtungen der Betreuung von Menschen, die vermeintlich nicht mehr in ihrem privaten Raum leben können.

Diese Einrichtungen werden von uns heutzutage als notwendig angesehen, aber oft von uns selbst als inhuman abgelehnt.

Daher sind die Heime mit der heutigen Struktur Auslauf-modelle.

Zitat Dörner:  "Zu abnorm ist das flächendeckende Heimsystem. Noch nie zuvor war eine Kultur auf die Idee gekommen, alle ihre Bürger nach ihrer zeitgemäßen Brauchbarkeit zu sortieren und um die Brauchbaren zur maximalen Entfaltung ihrer Arbeitsfähigkeit zu bringen, die Unbrauchbaren als hinderliche Störfaktoren, als Hilfs- oder Kontrollbedürftige zu etikettieren, nach Sorten zu spezialisieren und in einem flächendeckendem Netz von Institutionen zu konzentrieren  und lebenslänglich unsichtbar zu machen.

Gesellschaftliche Bedingungen für die Entstehung  diese Systems der Moderne ist die Umerziehung der Menschen zu Industriearbeitern, Interesse an Vollbeschäftigung, Zerschlagung der solidarischen Bindungen der Menschen untereinander, Vereinzelung der Menschen zu selbst bestimmten Nomaden, weil nur sie die unsichtbare Hand des Marktes manipulieren kann.

Das Störpotential – ihre Behinderung, ihr Siechtum, ihr Sterben – wird für die Alltagswelt der Brauchbaren zumindest schon mal sozial unsichtbar gemacht."

Wir lehnen diese Institutionen für uns tiefgreifend ab. Also müssen wir uns einen weiteren neuen Sozialraum schaffen.