23. bis  25. Oktober 2015

VIA Wochenendausflug nach Rheinfelden

Rheinfelden gibt es gleich zweimal. Einmal auf der deutschen Seite und einmal auf der anderen Seite des Rheins. Unmittelbar am Rhein und ganz in der Nähe liegt zudem Schloss Beuggen als idealer und geschichtsträchtiger Übernachtungsort. Viele Gründe um dieser Region einen Besuch abzustatten.

Zunächst aber forderte das Vitra Design Museum in Weil am Rhein geradezu einen Zwischenstopp bei der Anfahrt.


Noch am Ankunftstag bekamen wir von einer Schlossführerin die äußerst interessante Geschichte unserer Herberge vermittelt.

Die Geschichte von Schloss Beuggen blickt auf 750 wechselvolle Jahre zurück. Ritterburg, Ordenshaus für den Deutschen Ritterorden, Bauernkriege, Dreißigjähriger Krieg, Lazarett während der napoleonischen Kriege. Um 1750 wurde das Schloss von Grund  auf von Johann Casper Bagnato renoviert und umgestaltet. Nach ihm ist ein noch schön erhaltener Saal (Bild rechts oben) benannt. Ab 1820 wurde das Schloss Armenschullehrer- und Armenkinderanstalt nach Vorbild von Johann Heinrich Pestalozzi und blieb bis 1980 ein Kinderheim.  Erst 1983 wurde hier eine evangelische Tagungs- und Begegnungsstätte errichtet.

 

Ein Kontrastprogramm erwartete uns am nächsten Tag mit der Führung durch die beiden gleichnamigen Städte dieseits und jenseits des Rheins. Die gänzlich unterschiedliche Geschichte wurde uns durch Frau Schwarz als Stadtführerin sehr eindrucksvoll vermittelt. Die Stadt Rheinfelden (Baden) gehört zu den jüngsten Orten in Südbaden und entwickelte sich schnell durch den Bau der Eisenbahn und eines Wasserkraftwerkes am Rhein. Zur Stadt Rheinfelden wurde sie erst durch das Zusammenlegen der Dörfer Nollingen und Warmbach 1922 mit rascher Industrialisierung. Dagegen ist das Rheinfelden auf Schweizer Seite die älteste Zähringerstadt der Schweiz. Die lange Geschichte wird beim Gang durch die verwinkelten Gassen überall sichtbar.


Nach dem Mittagessen wanderten wir auf einem schönen Weg entlang des Rheins zurück zum Schloss. Vorbei an einem erstaunlich gut renaturiertem Abschnitt mit Fischtreppe und einem Pavillon, in dem uns die Geschichte des Wasserkraftwerkes sehr informativ näher gebracht wurde.


Danach freuten sich alle auf eine Tasse Kaffee und den Kuchen von Eva auf der wunderbaren Aussichtsterrasse von Schloss Beuggen mit Blick auf den herbstlich umrahmten Rhein bei sonnigem Wetter.


Die Dinkelbergregion südlich von Rheinfelden lädt insbesondere zu schönen Wanderungen ein. So war es für uns bei sonnigem Hersbstwetter geradezu ein Muss etwas von dieser Natur zu erwandern. Alle schafften den 7-km-Rundweg und hatten sich somit das gemeinschaftlich eingenommene Mittagessen verdient, bevor die Heimreise angetreten wurde.

 

 

14. Oktober 2015

Wir VIAs besuchen den Aspichhof in Ottersweier

Das malerische in der Vorbergzone des Schwarzwaldes gelegene Hofgut existiert schon seit 700 Jahren und ist mit seiner Organisationsform und Produktvielfalt einmalig. Es gehört zum Klinikum Mittelbaden und daher konnte die Geschäftsführung unter Herrn Jürgen Jung unserem Mitbewohner Peter eine große Freude anlässlich seines Renteneintritts bereiten, indem er ihn samt seiner Mitbewohner im Wohnprojekt zu einem Erlebnisnachmittag in den Aspichhof eingeladen hatte.


Aspichhof - gut für Mensch und Natur, so heißt es. Das durften wir erleben und bestätigen, insbesondere was uns Menschen betrifft. Frau Glaser informierte uns ausführlich über die Geschichte des Aspichhofes und die aktuelle Situation mit seinen vielseitigen Produkten. Da lief uns schon im Hofladen das Wasser im Mund zusammen.


Im Rahmen der Führung staunten wir über die vollautomatische Melkmaschine. Da standen die Kühe geduldig an, um gemolken zu werden. Zielsicher konnte der Melkapparat die Saugelemente an das Euter mit seinen vier Zitzen anlegen. So können die Kühe nun tatsächlich selbst entscheiden, wann sie gemolken werden wollen. Neben den Kühen gibt es auch Schweine, Hühner, Gänse, eine Gärtnerei, Weinbau, Obst von alten Hochstamm-Streuobstwiesen und vieles mehr.


Die Wurstwaren kommen aus eigener Produktion, ebenso die Backwaren. In der hofeigenen Molkerei werden Joghurt, Rahmkäse, Frischkäse und Butter hergestellt. Mit all diesen Leckereien wurden wir dann verwöhnt. Und dies in einem dazu passenden schönen Ambiente. Allen mundete es vorzüglich. Nicht zu vergessen natürlich die Weinproben aus Trauben von eigenem Anbau, da blieb kein Wunsch offen.

  

So wurde der Nachmittag zu einem wirklich schönen Erlebnis mit hohem Erinnerungswert. In den Hofladen müssen wir nun einkaufen gehen, was vor der Heimfahrt auch getan wurde. Danke für das wunderbare Abschiedsgeschenk - so macht das Renterleben nach einem erfüllten Berufsleben Spaß!

 

                                                              

7. Oktober 2015

 Lesung mit Emmanuel Mbolela  

"Mein Weg vom Kongo nach Europa" - unter diesem Titel hat Emmanuel Mbolela seine Geschichte "zwischen Widerstand, Flucht und Exil" niedergeschrieben. Zusammen mit seinem Übersetzer las er in unserem Gemeinschaftsraum im Rahmen einer attac-Veranstaltung aus seinem Buch vor.

Nach einer kurzen Einführung durch unsere Mitbewohnerin Tina als Sprecherin der einladenden attac-Gruppe Baden-Baden erläuterte Emmanuel Mbolela zunächst kurz die historischen Bedingungen des Kongo im 19. und 20. Jahrhundert - eine Geschichte der Kolonialisierung und hemmungslosen Ausbeutung des an Bodenschätzen so reichen Landes in Zentralafrika.

Mbolela wurde während seines Studiums in seiner Heimatstadt Mbujimayi politisch aktiv. Er kämpfte mit friedlichen Mitteln für eine gerechte, demokratische Gesellschaft, aber unter dem Diktator Mobutu wurde er gezwungen seine Heimat im Jahr 2002 zu verlassen, um sein Leben zu retten.

Er war fast 6 Jahre unterwegs. Sein Weg führte ihn durch sechs schwarzafrikanische Länder, durch die Wüste, nach Algerien und Marokko, wo er in einem Zustand der Illegalität vier Jahre ausharren musste, ehe er in den Niederlanden Asyl erhielt.

Sein Buch - so sagt er - solle ein Aufschrei sein. Er wolle aufrütteln und sensibilisieren für die schrecklichen Schicksale der Flüchtlinge, vor allem der Frauen und Kinder, die Unsägliches erleiden müssen auf einem Weg, den niemand freiwillig geht.

In seinem Vortrag, in dem er sehr sachlich über seinen eigenen Weg und die Bedingungen auf der Flucht sprach, spürte man immer wieder, wie schmerzlich die Erinnerungen für ihn auch nach Jahren noch sind.

Die Frage danach, ob es ihm heute besser gehe, musste er verneinen. Auch im Asyl in den Niederlanden gelang es ihm bis heute nicht, eine auskömmliche Arbeit zu bekommen, wird er - wie viele Flüchtlinge - ausgegrenzt und materiell ausgebeutet, indem z. B. seine Hochschulabschlüsse nicht anerkannt werden.

Trotzdem arbeitet er auch weiterhin für eine Verbesserung der Verhältnisse, für Verständnis für die Flüchtlinge, für eine bessere Welt - auch wenn das platt klingt.

Mit Spannung und z. T. mit Schaudern hörten wir den engagierten Vortrag, der uns auf die Verantwortung u. a. Deutschlands verwies. Denn die Waffen, mit denen die Diktatoren ihre Macht erhalten und Bürgerkriege - nicht nur in Afrika - geführt werden, kommen alle nicht aus Afrika, denn dort gibt es keine Waffenschmiede. Sie kommen zu einem großen Teil auch aus Deutschland...

Wollte man also die Kriege beenden und die Fluchtursachen beseitigen, wäre eine wichtige Maßnahme die Beendigung von Rüstungsexport.

 

6.September 2015

VIA Spätsommerfest mit Offener Tür

"Seit sechs Jahren: Wohnprojekt "VIA" - Bewohner bieten Vorträge, Erfahrungsaustausch und Besichtigungen beim Spätsommerfest am 6.September" so lautete die Einladung über die lokale Tagespresse. Unter dem Slogan: "Gemeinsam. Neu. Gewohnt." geben die Bundesweiten Aktionstage interessierten  Menschen Gelegenheit neue Wohnformen und beispielhafte Initiativen kennenzulernen.

Uns als Wegbereiter des "Gemeinschaftlichen Wohnen" in Baden-Baden erreichen immer wieder Fragen von Menschen, die an dieser Wohnform interessiert sind. Somit war erwartungsgemäß das Interesse an der Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit uns groß. Dabei waren Einblicke in unsere Wohnanlage und Berichte über unser Zusammenleben besonders gefragt.

Im Rahmen der Führungen staunten die Besucher nicht selten über die baulichen Konsequenzen hinsichtlich Barrierefreiheit, energetischer Bauweise und Räume, die dem Zusammenleben dienlich sind.

 

Die energiesparende Bauweise und die vielen durch uns erbrachten Hausmeistertätigkeiten schonen dabei deutlich die Haushaltskassen der einzelnen Wohnungen. Helle lichtdurchflutete Räume regten Planer zur Nachahmung an. Auch unser Heizungskeller mit der Pelletsheizung und der Möglichkeit das warme Wasser über Solarthermie zu erhalten, stieß auf gro0es Interesse.

Im Mittelpunkt des Tages stand jedoch unser multifunktionaler Gemeinschaftsraum. Bei der Begrüßung durch Dietmute Ott konnten wir auch ein Grußwort unserer Oberbürgermeisterin Frau Margret Mergen verlesen. Danach informierten wir unsere Besucher mittels eines Powerpoint unterstützten Vortrags über das Werden unserer Wohnanlage und der Gemeinschaft. Hieraus ergaben sich viele Fragen und eine angeregte Diskussion.

Zur Stärkung konnten wir unsere Gäste auch zu einer Mittagsmahlzeit einladen, da Mitbewohner eine Kürbissuppe gekocht hatten. Und so wurde kurzerhand aus unserem Gemeinschaftsraum mit angeschlossener Küche ein Speisesaal.

 

Der Vortrag "Wohnen und Wohnumfeld als Gesundheitsprävention beim Älterwerden" fand dann wieder viel Aufmerksamkeit bevor unsere Gäste mit Kaffee und Kuchen verwöhnt wurden. Zuvor hatte unsere Mitbewohnerin Dietmute Ott zu schwungvollen Bewegungsübungen im Freien animiert. Aufgrund des sonnigen Wetters konnten erfreulicherweise die regen Diskussionen auch auf unserer Terrasse, die sich an unseren Gemeinschaftsraum anschließt, geführt werden.

Viele Besucher waren von unserer Wohnanlage und dem geschilderten Zusammenleben sehr angetan und fragten nach Wohnraum. Sie alle mussten wir mit einer Warteliste trösten.

Für alle Beteiligten und Besucher war es ein sehr informativer und abwechslungsreicher Tag und wurde dem Anliegen des FORUM für Gemeinschaftliches Wohnen  e. v. mehr als gerecht, das die Aktionstage ins Leben gerufen hat, um die neuen Wohnformen einem breiten Publikum bekannt zu machen.

 

29. August 2015

Glücksmomente bei Sonnenaufgang

"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein", wusste schon Reinhard May, der dieses Gefühl in einem seiner Lieder besungen hat.

 

Das Wolkenmeer dämpft alle Alltagsgeräusche im Tal. Die Sonne mit ihren warmen Strahlen lässt die Wolken verdunsten, die sich zu immer neuen Formationen verändern.

 

Diese wunderbare Morgenstimmung konnte ich vom Turm des Alten Schlosses in Baden-Baden erleben. Glücksmomente und das Gefühl von tiefem Frieden ließen mich dort oben, ganz alleine mit der Natur, lange verharren.

FUVI0111ADANALSCD