7. Oktober 2015

 Lesung mit Emmanuel Mbolela  

"Mein Weg vom Kongo nach Europa" - unter diesem Titel hat Emmanuel Mbolela seine Geschichte "zwischen Widerstand, Flucht und Exil" niedergeschrieben. Zusammen mit seinem Übersetzer las er in unserem Gemeinschaftsraum im Rahmen einer attac-Veranstaltung aus seinem Buch vor.

Nach einer kurzen Einführung durch unsere Mitbewohnerin Tina als Sprecherin der einladenden attac-Gruppe Baden-Baden erläuterte Emmanuel Mbolela zunächst kurz die historischen Bedingungen des Kongo im 19. und 20. Jahrhundert - eine Geschichte der Kolonialisierung und hemmungslosen Ausbeutung des an Bodenschätzen so reichen Landes in Zentralafrika.

Mbolela wurde während seines Studiums in seiner Heimatstadt Mbujimayi politisch aktiv. Er kämpfte mit friedlichen Mitteln für eine gerechte, demokratische Gesellschaft, aber unter dem Diktator Mobutu wurde er gezwungen seine Heimat im Jahr 2002 zu verlassen, um sein Leben zu retten.

Er war fast 6 Jahre unterwegs. Sein Weg führte ihn durch sechs schwarzafrikanische Länder, durch die Wüste, nach Algerien und Marokko, wo er in einem Zustand der Illegalität vier Jahre ausharren musste, ehe er in den Niederlanden Asyl erhielt.

Sein Buch - so sagt er - solle ein Aufschrei sein. Er wolle aufrütteln und sensibilisieren für die schrecklichen Schicksale der Flüchtlinge, vor allem der Frauen und Kinder, die Unsägliches erleiden müssen auf einem Weg, den niemand freiwillig geht.

In seinem Vortrag, in dem er sehr sachlich über seinen eigenen Weg und die Bedingungen auf der Flucht sprach, spürte man immer wieder, wie schmerzlich die Erinnerungen für ihn auch nach Jahren noch sind.

Die Frage danach, ob es ihm heute besser gehe, musste er verneinen. Auch im Asyl in den Niederlanden gelang es ihm bis heute nicht, eine auskömmliche Arbeit zu bekommen, wird er - wie viele Flüchtlinge - ausgegrenzt und materiell ausgebeutet, indem z. B. seine Hochschulabschlüsse nicht anerkannt werden.

Trotzdem arbeitet er auch weiterhin für eine Verbesserung der Verhältnisse, für Verständnis für die Flüchtlinge, für eine bessere Welt - auch wenn das platt klingt.

Mit Spannung und z. T. mit Schaudern hörten wir den engagierten Vortrag, der uns auf die Verantwortung u. a. Deutschlands verwies. Denn die Waffen, mit denen die Diktatoren ihre Macht erhalten und Bürgerkriege - nicht nur in Afrika - geführt werden, kommen alle nicht aus Afrika, denn dort gibt es keine Waffenschmiede. Sie kommen zu einem großen Teil auch aus Deutschland...

Wollte man also die Kriege beenden und die Fluchtursachen beseitigen, wäre eine wichtige Maßnahme die Beendigung von Rüstungsexport.

 

6.September 2015

VIA Spätsommerfest mit Offener Tür

"Seit sechs Jahren: Wohnprojekt "VIA" - Bewohner bieten Vorträge, Erfahrungsaustausch und Besichtigungen beim Spätsommerfest am 6.September" so lautete die Einladung über die lokale Tagespresse. Unter dem Slogan: "Gemeinsam. Neu. Gewohnt." geben die Bundesweiten Aktionstage interessierten  Menschen Gelegenheit neue Wohnformen und beispielhafte Initiativen kennenzulernen.

Uns als Wegbereiter des "Gemeinschaftlichen Wohnen" in Baden-Baden erreichen immer wieder Fragen von Menschen, die an dieser Wohnform interessiert sind. Somit war erwartungsgemäß das Interesse an der Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit uns groß. Dabei waren Einblicke in unsere Wohnanlage und Berichte über unser Zusammenleben besonders gefragt.

Im Rahmen der Führungen staunten die Besucher nicht selten über die baulichen Konsequenzen hinsichtlich Barrierefreiheit, energetischer Bauweise und Räume, die dem Zusammenleben dienlich sind.

 

Die energiesparende Bauweise und die vielen durch uns erbrachten Hausmeistertätigkeiten schonen dabei deutlich die Haushaltskassen der einzelnen Wohnungen. Helle lichtdurchflutete Räume regten Planer zur Nachahmung an. Auch unser Heizungskeller mit der Pelletsheizung und der Möglichkeit das warme Wasser über Solarthermie zu erhalten, stieß auf gro0es Interesse.

Im Mittelpunkt des Tages stand jedoch unser multifunktionaler Gemeinschaftsraum. Bei der Begrüßung durch Dietmute Ott konnten wir auch ein Grußwort unserer Oberbürgermeisterin Frau Margret Mergen verlesen. Danach informierten wir unsere Besucher mittels eines Powerpoint unterstützten Vortrags über das Werden unserer Wohnanlage und der Gemeinschaft. Hieraus ergaben sich viele Fragen und eine angeregte Diskussion.

Zur Stärkung konnten wir unsere Gäste auch zu einer Mittagsmahlzeit einladen, da Mitbewohner eine Kürbissuppe gekocht hatten. Und so wurde kurzerhand aus unserem Gemeinschaftsraum mit angeschlossener Küche ein Speisesaal.

 

Der Vortrag "Wohnen und Wohnumfeld als Gesundheitsprävention beim Älterwerden" fand dann wieder viel Aufmerksamkeit bevor unsere Gäste mit Kaffee und Kuchen verwöhnt wurden. Zuvor hatte unsere Mitbewohnerin Dietmute Ott zu schwungvollen Bewegungsübungen im Freien animiert. Aufgrund des sonnigen Wetters konnten erfreulicherweise die regen Diskussionen auch auf unserer Terrasse, die sich an unseren Gemeinschaftsraum anschließt, geführt werden.

Viele Besucher waren von unserer Wohnanlage und dem geschilderten Zusammenleben sehr angetan und fragten nach Wohnraum. Sie alle mussten wir mit einer Warteliste trösten.

Für alle Beteiligten und Besucher war es ein sehr informativer und abwechslungsreicher Tag und wurde dem Anliegen des FORUM für Gemeinschaftliches Wohnen  e. v. mehr als gerecht, das die Aktionstage ins Leben gerufen hat, um die neuen Wohnformen einem breiten Publikum bekannt zu machen.

 

29. August 2015

Glücksmomente bei Sonnenaufgang

"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein", wusste schon Reinhard May, der dieses Gefühl in einem seiner Lieder besungen hat.

 

Das Wolkenmeer dämpft alle Alltagsgeräusche im Tal. Die Sonne mit ihren warmen Strahlen lässt die Wolken verdunsten, die sich zu immer neuen Formationen verändern.

 

Diese wunderbare Morgenstimmung konnte ich vom Turm des Alten Schlosses in Baden-Baden erleben. Glücksmomente und das Gefühl von tiefem Frieden ließen mich dort oben, ganz alleine mit der Natur, lange verharren.

27. August 2015

Vernissage mit Barbara Langhans

Tina ist eine VIA - Mitbewohnerin, ihre Schwester, Barbara Langhans, Künstlerin. Da liegt es natürlich nahe, sie für die nun bereits 21. Austellung in unseren Gemeinschaftsraum nach Baden-Baden einzuladen.


Barbara Langhans ist in Jena aufgewachsen und arbeitete nach ihren Studienjahren in Köln, Braunschweig und Hamburg als Kunsterzieherin, zuletzt in Bad Kreuznach. Sie lebt in Rheinland-Pfalz (Münchwald), wo sie zusammen mit ihrem Mann das "Klangfarben-Forum für Kunst und Musik" betreibt.                                                                                                                                  Wie gewohnt, war das Interesse an der Vernissage groß. Die Bilder beeindruckten die Besucher, viele fühlten sich angesprochen und inspiriert. Sind doch die Arbeiten von Frau Langhans oft Naturstudien, in denen sie großen Respekt für die natürlichen Formen zeigt. Ihr großes Repertoire reicht von Zeichnungen über Aquarelle bis zu Ölgemälden.

 

Im Dialog mit ihrer Schwester berichtete Barbara Langhans über ihre Arbeiten und ihre so vielseitigen Werke, wobei die tiefe Verbundenheit mit und die sensible Wahrnehmung für die in der Natur wahrgenommenen Motive zum Ausdruck kamen. Untermalt wurde die Vernissage von ihrem Mann auf der Gitarre. Anschließend ergaben sich zahreiche Diskussionen vor den Bildern der Künstlerin und die Gewissheit, wieder eine ganz besondere Ausstellung bei uns im VIA Wohnprojekt erleben zu können.

 

23.August 2015

Erlebnistag "Baumwipfelpfad Bad Wildbad"

Ein Baumwipfelpfad, der tatsächlich auch barrierefrei ist, lässt natürlich besonders die Herzen von Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, höher schlagen - etwas Abenteuer trotz Behinderung!! So war es die Idee, der auch bald die Umsetzung folgte, Vincent und seine Famile zu einem Erlebnistag nach Bad Wildbad einzuladen. Vincent ist seit vielen Jahren auf einen Elektrorollstuhl und Unterstützung durch seine Familie, Bruder Leon und Eltern, angewiesen. 

 

Mit einer Gesamtlänge von 1250 Meter, inklusive Turm, und einer Höhe bis zu 20 Meter über dem Waldboden schlängelt sich der Pfad durch Buchen, Tannen und Fichten des Bergmischwaldes - vorbei an zahlreichen Informations- und Erlebnisstationen mit Wissenswertem zur heimischen Natur- und Tierwelt.

 

Der Höhepunkt ist jedoch ohne Zweifel der überwiegend in Holzbauweise erstellte Aussichtsturm. Die wendelgangartig angelegte Konstruktion des Turms, der an einen Becher erinnert, besteht aus 12 Stegschleifen mit lediglich 6 Prozent Steigung.  Auf der Plattform in 40 Meter Höhe angekommen wird man mit einem einzigartigen Blick über den Naturpark Schwarzwald Mitte / Nord  mit seinen dichten Wäldern ringsum belohnt.

 


Kein Ausflug ohne Einkehr. Beim gemeinsamen Mittagessen gab es dann viel zu erzählen und gestärkt konnte die Heimreise angetreten werden. Wie wunderbar, dass dieses nicht alltägliche Ausflugsziel barrierefrei erbaut wurde und Menschen, die ohnehin auf Vieles im Leben verzichten müssen, damit ein solches Erlebnis ermöglichen. Sollten wir nicht im Herbst wiederkommen, wenn das Laub sich bunt verfärbt hat? Natürlich!

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  1. Pegida, nein Danke!!
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